FÜR SIE: EIN NEUJAHRSKONZERT
 

Georg Friedrich Händel: Meine Interpretation des Künstlers aus der Serie «Komponisten»

 


Georg Friedrich Händel wurde im gleichen Jahr wie J. S. Bach geboren (1685) und starb am 14. April 1759 in London.

Gegen den Willen seines Vaters, der ein angesehener Arzt war, studierte Händel Musik, kam an die Hamburger Oper, reiste 1706 für mehrere Jahre nach Italien, wo er nicht nur die italienische Oper, sondern auch neue Formen der Orchestermusik, das Concerto Grosso, kennenlernte.

 

1712 reiste er nach England, das seine zweite Heimat werden sollte. Für den englischen König schrieb er zahlreiche Auftragswerke für festliche Anlässe, so z.B. die Wassermusik und die Feuerwerksmusik.

Nachdem Händel mit einem eigens gegründeten Opernunternehmen finanziellen Schiffbruch erlitten hatte, wandte er sich der Komposition von Oratorien zu. Mit dem Oratorium «Der Messias» errang er weit über die Grenzen Englands hinaus Weltruhm.

Trotz eines Schlaganfalls und einer Erblindung in den letzten Jahren seines Lebens war Händel bis zuletzt unermüdlich musikalisch tätig und starb hochangesehen 1759 in London.

 

Georg Friedrich Händel

 

Hauptwerke:
Oratorien: Israel, Saul, Messias, Judas Makkabäus, Salomon, Acis e Galatea, 12 Concerto grossi, 17 Orgelkonzerte, 11 Konzerte für verschiedene Instrumente, Kammermusikwerke...

Wassermusik: Suite für Hörner F-Dur

«Etwa um 8 Uhr abends betrat der König seine Barke. Daneben befand sich die der 50 Musikanten, die alle Arten Instrumente spielten, so Trompeten, Jagdhörner, Oboen, Fagotte, deutsche Flöten, französische Blockflöten, Geigen und Basse, aber keine Sänger. Dieses Konzert war eigens vom berühmten, in Halle geborenen Händel, dem ersten Hofkomponisten, geschrieben worden.

 

«Wassermusik»

 

Seine Majestät fand daran solchen Gefallen, dass er es dreimal wiederholen liess, obwohl jede Reprise eine Stunde in Anspruch nahm, also zweimal vor und einmal nach dem Souper. Der Abend war so schön, wie man es sich für dieses Fest nur wünschen konnte; die Anzahl der Barken und insbesondere der Boote voller Leute, die dabei sein wollten, unendlich gross. Um das Fest noch herrlicher zu gestalten, wusste die Madame de Kilmanseck in der Villa des weiland Lord Ranelagh am Flusse bei Chelsea ein vorzügliches Souper zu veranstalten, wo der König eine Stunde nach Mitternacht eintraf. Um drei Uhr ging er wieder weg, und um etwa halb fünf Uhr früh kam seine Majestät wieder in St. James an. Allein für die Musikanten hat dieses Konzert den Baron de Kilmanseck 150 Pfund gekostet.»

Diese hier vom preussischen Beauftragten in London, Friedrich Bonet, beschriebene Wasserfahrt, die am 17. Juli 1717 stattfand, ist in zweierlei Hinsicht einzigartig: erstens war diese Unterhaltung die grossartigste und kostspieligste, über die Aufzeichnungen vorhanden sind, und zweitens ist sie die einzige, auf die sich die Händelsche Musik eindeutig bezieht.

Im 18. Jh. wurden während der Londoner Sommersaison häufig Wasserfahrten veranstaltet. Bei mehreren derartigen Ausflügen des Hofes in den Jahren 1715 und 1716, bei denen übrigens der König nicht immer zugegen war, und auch später, ist von Musiken die Rede; indessen wird nur bei der Wasserfahrt im Sommer 1717 der Komponist – «Handel, ein gebürtiger Hallenser» – namentlich aufgeführt. Es ist denkbar, dass Kompositionen aus seiner Feder in den Vorjahren zur Aufführung kamen und die Wassermusik dadurch von Jahr zu Jahr an Ausmass zunahm.

Leider lässt sich ihr Werdegang nicht genau rekonstruieren, weil Händels Autograph nicht vollständig erhalten ist. Indessen sind gute Sekundar-Abschriften der Wassermusik vorhanden, in denen das Werk in den 1740er Jahren niedergeschrieben ist. Da Bonets Schilderung mit der Instrumentierung und Dauer dieser Kompositionen so ziemlich übereinstimmt, darf man annehmen, dass die «Wassermusik», wie man sie heute kennt, sich mit seiner Version weitgehend deckt. Laut den Londoner Zeitungen spielten bei der Wasserfahrt 1717 die Musikanten auf dem Rückweg von Chelsea, bis der König wieder an Land ging. Wie die Anlieger der Themse um halb fünf Uhr früh darüber dachten, ist nicht bekannt; jedenfalls war der ganze Ausflug dermassen gross angelegt, dass wohl nicht nur die Zuschauer, sondern auch die adeligen Zecher, die an der Fahrt offiziell teilnahmen, davon dauernd beeindruckt waren.

Gewiss war das der Zweck der Übung, denn 1717 befand sich die königliche Familie in einer Krise. König Georg I. und sein Sohn standen schon seit eh und je auf gespanntem Fuss; während des Jahres verschlechterten sich ihre Beziehungen zusehends, und schliesslich kam es im November zum berüchtigten Streit, der zur Folge hatte, dass der Kronprinz aus dem Palast vertrieben wurde. Der König, der eine bescheidene Lebensführung vorzog, sah sich genötigt, dem zunehmenden Einfluss seines Sohnes entgegenzuwirken, indem er seinen Hof so angenehm wie möglich gestaltete. Die Wasserfahrt war genau den grosszügigeren Unterhaltungen bei Hof angemessen; bezeichnenderweise schliesst Bonets Bericht mit den Worten, weder der Prinz noch die Prinzessin habe sich am Fest beteiligt.

Der Kronprinz und künftige König Georg II. war zwei Jahre alter als Händel, daher durfte eine Interessengemeinschaft der beiden, die derselben Generation angehörten, als wahrscheinlich angenommen werden. Laut Händels erstem Biographen soll der Komponist mit der Wassermusik seinem ehemaligen Arbeitgeber und hannoveranischen Kurfürsten, von dessen Hof er sich so oft entfernt hatte, den Olivenzweig dargeboten haben, als dieser 1714 den englischen Thron bestieg.

Diese Darstellung entspricht wohl nicht ganz dem Tatbestand; indessen wird sie den Ereignissen des Jahres 1717 eher gerecht, dass Händel vielleicht mit der Wassermusik angesichts des zunehmenden Familienzwists im Herrscherhaus seine eigene Position am Hofe des Königs festigen wollte. Die Sätze bilden drei Suiten, die jeweils ihre eigene Klangfarbe und Tonart haben. Die hier eingespielte erste Suite, in F-Dur, ist mit Streichern, Hörnern und Oboen besetzt. Die Hörner bestimmen das Kolorit und sind auch bei der Gestaltung einiger Melodien massgebend: obwohl sie erst gegen Ende des Adagio einsetzen, nehmen sie sofort eine solistische Stellung ein. Es scheint, dass Händel sie hier zum ersten Mal seit seiner Ankunft in London einsetzte, denn sie werden in keiner Londoner Oper vor dem 1720 geschriebenen «Radamisto» verwendet.

Vielleicht betrachtete er diese Jagdinstrumente als nur für Freiluftmusiken geeignet, obgleich sie gewiss auf dem Wasser wunderbar klangen. Der sechste Satz wurde noch zu Händels Lebzeiten als «Minuet for the French Horn» («Menuett für Horn») bekannt, woraus man schliessen darf, dass der nur von den beiden Hörnern gespielte, in einigen frühen Abschriften allerdings nicht erscheinende Eingang populär war.

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Wassermusik - Suite von Georg Friedrich Händel 37.51
Suite für Hörner in F-dur [35'629 KB]

1.1.2007






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