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Die Vernissage: Ein Auslaufmodell?
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Da fand sie also statt, am Samstag, den 1. Oktober: die Vernissage von Mark Bleuler, dem Luzerner Kunstmaler, der in der Leuchtenstadt schon einmal Geschichte (und Geschichten) als «jüngster Hotel-Direktor» Luzerns schrieb.
Nun könnte ich versuchen, die Malerei von Mark Bleuler zu erklären. Aber dazu fehlt mir einerseits der so genannte «Background», andererseits bin ich der Meinung, Kunst – und Mark Bleulers Malerei ist Kunst – sollte erzählt beziehungsweise bebildert werden. Das erklärt viel mehr als Kritikermonologe, die in der Regel ohnehin nur dazu dienen, das Zeilenhonorar in die Höhe zu treiben oder sich selber als kritische Autorität abzufeiern. Bei der Malerei ist es doch so wie bei allen schönen Dingen: entweder es gefällt einem oder es gefällt einem eben nicht. So wie mir einer der anwesenden Gäste an Bleulers Vernissage sagte: «Die Farben sind mir zu bunt.» Zugegeben: man kann dies durchaus auch anders sehen, aber der Mann hat immerhin eine eigene Meinung.
Viel mehr bewegt mich (und auch viele Künstler der reproduzierenden Kunstszene) die Frage, ob Kunstausstellungen und die damit verbundenen Vernissagen überhaupt noch zeitgemäss sind. Verschiebt sich der Marktplatz für (bezahlte) Kunst langfristig nicht eher in die virtuelle Cyberwelt, wo elektronische Plattformen wie «e-Bay» und wie sie alle heissen, den traditionellen Galerien den Rang ablaufen?
Nein! Ich sage dies mit voller Überzeugung, weil ich an der Vernissage von Mark Bleuler am vergangenen Samstag anwesend war. Sie begann um 11.00 Uhr vormittags und endete abends um 18.00 Uhr. Ich kam schätzungsweise um 16.00 Uhr und was sich mir darbot, übertraf meine Vorstellungskraft: Ein unglaublicher Besucherandrang verstopfte die doch eher kleinen Ausstellungs-Räumlichkeiten in der «The Young Art Factory Luzern» an der Obergrundstrasse 89. Und dies – wie ich mir sagen liess – seit 11.00 Uhr morgens.
Ganz klar: Vernissagen sind auch gesellschaftliche Ereignisse, und «sehen und gesehen werden» gehört zum Metier solcher Veranstaltungen wie das Amen in der Kirche. Die Lokale Prominenz, und wer immer sich dafür hält, gibt sich ein Stelldichein wie auch der Freundeskreis der jeweiligen Künstler. Doch nebst diesen zwei Parteien bewegen sich auch die Kunst- und Kaufinteressierten durch die Räume, denn letztendlich ist jede Ausstellung ein «Business». Der materielle Erfolg für die ausstellende Galerie steht und fällt mit dem Verkauf der ausgestellten Kunstprodukte. Das ist bei einer traditionellen Galerie nicht anders als bei «e-Bay».
Doch anders als bei «e-Bay» haben Kunst- und Kaufinteressierte in einer realen Galerie die Möglichkeit, den Duft der Farben und die Dimensionen der Originalgrössen, die sinnliche Ausstrahlungskraft der Objekte sozusagen, auf sich einwirken zu lassen und sich mit Fragen an den Galeristen – oder bei der Vernissage gar direkt an den Künstler – zu wenden. Nicht zuletzt dürfte auch die Persönlichkeit des Künstlers und seine Anwesenheit beim Kaufentscheid nicht selten eine gewisse Rolle spielen. Und sei’s auch nur um ihn zu fragen, was denn das «HA! HA!» auf der Einladung zur Vernissage zu bedeuten habe. Originalton Mark Bleuler: «Ich will damit ausdrücken, dass ich nach meinem Hirnschlag dem Teufel nochmals von der Schippe gesprungen bin, um Euch alle noch ein bisschen zu ärgern.» «AHA!», so ist das also.
Und so bleibt festzuhalten, dass die Vernissage für eine Kunstausstellung alles andere als ein Auslaufmodell ist. Oder glauben Sie, «e-Bay» hätte Ihnen diese Frage beantworten können?
In diesem Sinne: bis zur nächsten Vernissage. Herzlichst Ihr Joseph Birrer
Quelle: www.singeltimes.com 3.10.2005 |
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